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Ziegers Zeilen (KW 06)

Schon wieder eine Studie zu E-Fuels

Schon wieder eine Studie zu E-Fuels. Pünktlich zur Bundestagswahl. Berichtet wird darüber unter anderem im Online-Spiegel. Was steht drin in der Studie. „E-Fuels und ihre Grenzen – keine Alternative zum Verbrenner-Aus“.
 

Vorangestellt. Es handelt sich um eine Meta-Studie. Eine Meta-Studie ist eine systematische Übersichtsarbeit über alles verfügbare Wissen eines Bereichs. Der Spiegel schreibt in seinem Beitrag zur Studie , das dass FÖS hat hierfür unter anderem Erkenntnisse des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC), des Bundesministeriums für Umwelt (BMUV), des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (Fraunhofer ISI) und der Internationalen Energieagentur zusammengeführt hat.
 

Ersteller der Studie ist die Klima-Allianz. Die Klima-Allianz Deutschland ist nach eigenem Bekunden ein breites gesellschaftliches Bündnis für den Klimaschutz. Wörtlich, „mit mehr als 150 Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Umwelt, Kirche und andere religiöse Gemeinschaften, Entwicklung, Bildung, Kultur, Gesundheit, Verbraucherschutz, Jugend, Soziales und Gewerkschaften setzt sie sich für eine ambitionierte und sozial gerechte Klimapolitik auf lokaler, nationaler, europäischer und internationaler Ebene ein.“
 

Die Allianz hat vieles auf ihre Seiten gestellt. Studien, Diskussionsbeiträge und vieles andere mehr. Wer wissen will, wofür die Allianz steht, wer sie finanziert und wie ihre Ausrichtung ist, kann dies auf der Web-Site finden.
 

Das Thema E-Fuels hat sie gereizt. Aus unserer Sicht sind sie allerdings zu kurz gesprungen. Aber erst einmal zu den Inhalten. »Die Metastudie belegt: Wer das europäische Verbrenner-Aus infrage stellt, führt Autokäufer in die Irre«. Das sagt Stefanie Langkamp, Geschäftsleiterin Politik der Klima-Allianz. E-Fuels im Pkw-Bereich seien eine »Fata Morgana« und keine Alternative zu E-Autos.“ Unsere Wertung. Hier verknüpft man eine politische Frage an eine eigene Wertung, für die man keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage hat. Belegt ist, dass synthetische Kraftstoffe einen Beitrag zur Klima-Neutralität darstellen. Wissenschaftler, wie Prof. Dr. Thomas Koch aus Karlsruhe oder Professor Dr. Thomas Willner aus Hamburg finden in der Meta-Studie nicht statt. Wir erinnern uns, eine Meta-Studie ist eine systematische Übersichtsarbeit über alles verfügbare Wissen eines Bereichs. Da fehlt schon mal etwas.
 

Dass E-Fuels eine Fata-Morgana sind, ist nicht wissenschaftlich. Es ist einfach eine These. Ob sie falsch ist, brauchen wir nicht zu beurteilen. Die Anforderungen an eine Meta-Studie wurden nicht eingehalten.
 

Aber weiter. Eine der Thesen ist, dass E-Fuels eine Energieverschwendung darstellen. Dabei wird wieder das Beispiel aufgeführt, dass Windstrom direkt mehr Fahrzeuge antreibt als beim Weg über die Produktion von E-Fuels. Darum geht es gar nicht. E-Fuels werden dort hergestellt, wo der Strom preiswert und unbegrenzt zur Verfügung steht. Nicht aber in Deutschland. Dann ist das Effizienzkriterium nicht maßgeblich. Und wir wollen uns an der Stelle gar nicht mit dem Faktum auseinandersetzen, dass es demnächst einen Brownout geben könnte, weil zu viel nachhaltiger Strom zur Verfügung steht. Auch hier gilt, dass wichtige Fakten nicht in die Bewertung mit eingeflossen sind.

Next one. „E-Autos hingegen werden tendenziell immer günstiger.“ Mit dieser These hatten wir uns ja schon eine Weile beschäftigt. Tendenziell sind sie eben noch nicht günstiger. In einem Beitrag „Hybrid & Co“ in der FAZ wurde für die Eurozone ein Durchschnittsbetrag von 62.709 Euro für einen Stromer und 42.222 Euro für einen Hybrid beziffert. Das Online-Magazin „electrive.net“ wird konkreter: Mit 56.669 Euro (brutto, ohne Abzug der Förderung) waren die E-Autos in den ersten drei Quartalen 2024 um 7,5 Prozent teurer als im Gesamtjahr 2023.“ Den neuesten Trend zu Hybrid & Co, der in den letzten zu sehen ist, den verschläft die Studie. Allerdings nicht vorwerfbar, weil es ja auch nur eine Meta-Studie ist. Der hohe Durchschnittspreis ist auch verursacht durch zu viele große und mittlere Fahrzeuge. Aber, solange es nicht genügend preiswerte Fahrzeuge gibt, wird es keinen wirklichen Hochlauf der Elektromobilität geben. Die in der Meta-Studie erhobene These, dass „bis 2045 der Pkw-Bestand in Europa demnach nahezu vollständig elektrifiziert sein (dürfte), während Fahrzeuge mit E-Fuels nur eine marginale Rolle spielen werden,“ dürfte daher eher schwierig zu erfüllen sein.
 

Fazit angesichts der hier aufgezeigten Mängel der Studie. Vieles in der Meta-Studie bleibt im spekulativen Bereich. Die aufgeworfenen Fragen sind größer als die Antworten, die die Studie gibt.

Wir belassen es dabei. Aber nicht ganz. Denn eines blendet die Studie aus. Den technischen Fortschritt. Sowohl bei der Produktion von E-Fuels, bei der Entwicklung von für E-Fuels geeigneten Verbrennern wird es weitere Fortschritte geben. Den kann man nur ausblenden, wenn man ign nicht will. Weil er einem nicht passt. Deswegen geben wir Holger Appel, dem Autor von „Hybrid & Co“ aus der FAZ vom 04. Februar 2025 das Wort: „Wer sich so halb auskennt und womöglich einer Wunschvorstellung nachhängt, der argumentiert schon mal genial daneben. Zu Hybridfahrzeugen etwa. Besser wäre: technologieoffen bleiben.“

Dem ist nichts hinzufügen. Außer vielleicht dem Schlusswort des Autors, dass sich in der gedruckten Ausgabe der FAZ befindet: „Das Elektroauto läuft nur dort, wo es staatlich gestützt wird. Solange das so ist, sollten wir nichts verbieten, diskreditieren, bestrafen. Technologie(offenheit) bringt die Menschheit voran. 

Vielleicht ist das ja eine Idee für eine Metastudie.


 

Schöne Woche,

 

Stephan Zieger

 

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