Energiewende ist nicht mit Einzelmaßnahmen zu schaffen - Der Mittelstand ist bunt, vielschichtig und innovativ

Rede anlässlich der öffentlichen Jahreshauptversammlung des bft am 16. September 2015 in Lübeck

Sehr geehrte Damen und Herren, 

ich freue mich, Sie zur öffentlichen Jahreshauptversammlung des bft hier in Lübeck begrüßen zu dürfen.

Ein herzliches Willkommen auch an unsere Gäste aus Politik und Wirtschaft sowie die Vertreter der Presse. Wir freuen uns, dass Sie heute hier bei uns sind. 

Und natürlich begrüße ich Sie, meine sehr geehrten Mitglieder. Sehr erfreut habe ich festgestellt, dass diesmal auch die Generation der Nachfolger recht zahlreich vertreten ist.

Stellvertretend für alle Gäste aus der Industrie möchte ich unseren heutigen Gastredner, Herrn Christian Silkenath aus dem Hause VARO Energy Deutschland willkommen heißen.

Ich weiß, dass Sie derzeit extrem eng terminlich eingebunden sind und freue mich gerade deswegen besonders darüber, dass Sie den Weg zu uns gefunden haben.

Es ist mittlerweile gar nicht mehr so leicht, einen geeigneten Tagungsort für uns zu finden. Denn dank Ihrer regen Teilnahme ist die Auswahl an geeigneten Tagungshotels nicht mehr allzu groß. Mit dem Radisson hier in Lübeck haben wir einen Gastgeber gefunden, der unserer Veranstaltung den passenden Rahmen gibt. Ich bin sicher, wir werden hier in angenehmer Atmosphäre viele gute Gespräche führen können. Wie immer haben wir in unserem Tagungsablauf ausreichend Zeit für den Austausch unter Kollegen vorgesehen.

Die gute Resonanz auf unsere Einladung ist Beweis dafür, dass der Kreis unserer Mitglieder in den vergangenen Jahren langsam aber stetig gewachsen ist. Das ist Bestätigung und Motivation zugleich für meine Vorstandskollegen und mich und natürlich auch für das gesamte Team des bft.

Lassen Sie mich daher bereits an dieser Stelle meinen persönlichen Dank an die Damen der Geschäftsstellen in Bonn und Berlin aussprechen, die nicht nur diese Veranstaltung in gewohnt professioneller Manier organisiert haben, sondern gemeinsam mit unseren Geschäftsführern Graf Bülow und Herrn Zieger all die Aufgaben bewältigt haben, die sich uns im vergangenen Jahr gestellt haben.

Meine Herren, auch Ihnen gilt mein persönlicher Dank für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und Ihre Unterstützung.

Verehrte Gäste, was hat uns beschäftigt, in den vergangenen Monaten?

Der Themenmix war wieder ausgesprochen vielfältig: Mindestlohn, Mindestprovision und Tankstellengipfel, die Umsetzung der Markttransparenzstelle Kraftstoffe (MTS-K), die Entwicklungen bei den EC- und Kreditkartengebühren, ein Alkoholverkaufsverbot an Tankstellen, der Aufbau der bft-Akademie, geplante Veränderungen bei der Besteuerung von Autogas und Erdgas, die drohende Einführung von INSIKA an unseren Tankstellenkassen, Unsicherheiten bei den Tank- und Flottenkarten durch PSD II, Planungen für eine erweiterte Kennzeichnung und das Labeling von Kraftstoffen und nicht zuletzt das BGH-Urteil zum Fernabsatzgesetz.

Und ganz aktuell der neuerliche Verkauf der T&R.

... und, und, und.

Ich möchte Sie nicht damit langweilen, auf jedes Einzelne dieser Themen hier tiefer einzugehen. Den ausführlichen Rechenschaftsbericht überlasse ich gerne Graf Bülow und Herrn Zieger, die das auch viel besser können als ich.

Einige kurze Anmerkungen zu den Sachthemen kann ich Ihnen allerdings nicht ersparen. Im Anschluss daran bitte ich Sie mir zu gestatten, dass ich mit Ihnen heute einige Gedanken zu aktuellen Entwicklungen teile, die mich besonders beschäftigen. 

Lassen Sie mich beginnen mit einigen Anmerkungen zu der Flut von ordnungspoltischen Regelungen des vergangenen Jahres.

Sogar in der Chefetagen der Deutschen Bank ist man der Ansicht, dass die deutsche Gesetzgebung an vielen Stellen weit übers Ziel hinaus schießt. So stellte Herr Fitschen unlängst im Interview in einer großen Tageszeitung fest, dass die Regelungswut der Legislative mittlerweile Ausmaße annimmt, denen auch ein Großbetrieb wie die Deutsche Bank kaum noch gerecht werden kann.

Auch wenn er speziell den Bankensektor angesprochen hat, muss ich feststellen, dass es sich um ein Problem handelt, dass alle Branchen gleichermaßen betrifft. Eine Flut von Regelungen schwappt über die Republik und droht, die Unternehmen und ganz besonders den Mittelstand zu ertränken.

Da hatten wir im vergangenen Jahr zuallererst das Gesetz zur Einführung des flächendeckend einheitlichen und damit regionale Unterschiede komplett vernachlässigenden Mindestlohns. Aus dieser Gesetzesmaßnahme ergaben sich auch für unsere Branche ganz erhebliche finanzielle und organisatorische Belastungen. Darüber hinaus sahen sich in der Folge etliche unserer Mitglieder einer entwürdigenden Kontrollpraxis ausgesetzt. Mit Schutzweste und unter Waffen wurden zur Hauptgeschäftszeit Kontrollen vorgenommen, bei denen der Zoll kaum Verstöße feststellen konnte. In der Öffentlichkeit und ganz besonders bei den anwesenden Kunden hinterließen diese Maßnahmen trotzdem den Eindruck, bei den kontrollierten Tankstellen könne es wohl nicht mit rechten Dingen zugehen.

Die Antwort auf mein diesbezügliches Beschwerdeschreiben an die Bundesministerin für Arbeit, Frau Andrea Nahles, in dem ich wohlgemerkt nicht das Gesetz in Frage gestellt habe, sondern lediglich die Kontrollpraxis, diese Antwort war an Oberflächlichkeit kaum zu überbieten.

Frau Nahles erklärte sich schlichterweise nicht für zuständig, da der Zoll dem Finanzminister unterstehe. Immerhin wurde mein Brief freundlicherweise dorthin weitergeleitet und nach kurzer Zeit auch beantwortet: Der Zoll habe eben viele verschiedene Kontrollaufgaben, von denen einige auch das Tragen von Schutzkleidung und das Mitführen einer Waffe erfordern. Die Beamten hätten einfach zu wenig Zeit, sich zwischen den verschiedenen Einsätzen umzuziehen. Man bitte um Verständnis.

Ich möchte das hier nicht weiter kommentieren und überlasse Ihnen die Bewertung einer solchen Antwort.

Immerhin sind die Beschwerden von Mitgliedern in den darauffolgenden Wochen und Monaten deutlich zurückgegangen.

Aber was brachte das Mindestlohngesetz über die Kostensteigerungen und den Kontrollwahn hinaus noch mit sich?

Da ein ganz erheblicher Teil der in Deutschland aktiven Tankstellen von Pächtern betrieben wird, folgte kurz nach der Einführung des Mindestlohns prompt die Forderung aus deren Reihen nach einer Mindestprovision. In sich eigentlich durchaus logisch, denn die durch den Mindestlohn induzierte Kostensteigerung sollte durch eine Provisionsveränderung abgefangen werden.

Bundeswirtschaftsminister Gabriel hat sich dieses Themas angenommen und den sogenannten „Tankstellengipfel“ einberufen. 

Vertreter aller mit Tankstellen befassten Verbände sowie die Spitzenmanager der größten Mineralölkonzerne wurden zum Gespräch geladen. Tatsächlich wurden dort Überlegungen zur gesetzlichen Verankerung einer Mindestprovision in den Raum gestellt.

In einer gemeinsamen Initiative aller Verbände wurde an deren Stelle ein Verhaltenscodex  für die Branche formuliert, der - wie ich finde - den Interessen aller am Tankstellengeschäft beteiligten Parteien bestmöglich gerecht wird und dessen Lektüre und Berücksichtigung ich Ihnen wärmstens ans Herz legen möchte. Dadurch ist der Branche die Mindestprovision erspart geblieben, zumindest bisher. Ein Ergebnis, das zeigt, wie wichtig oft die verbandsübergreifende Zusammenarbeit ist, die ja in der Vergangenheit nicht immer reibungslos von statten ging. Dass es gelungen ist, das Verhältnis der Verbände untereinander Schritt für Schritt wieder zu verbessern, begrüße ich übrigens ausdrücklich.

Der nächste logische Schritt, der der Einführung einer Mindestprovision hätte folgen müssen, wäre vermutlich die gesetzlich verankerte Mindestmarge beim Verkauf von Kraftstoffen gewesen. Herzlich willkommen in der Planwirtschaft!

Nun ja, es ist ja nicht so weit gekommen.

Aber Arbeitsplatzrichtlinien, die Tageslicht für Umkleideräume und Toiletten fordern, sind nach wie vor ebenso im Gespräch wie erneute Forderungen nach einem Alkoholverkaufsverbot am Abend. 

Hier wird die durchaus legitime Forderung nach Jugendschutz lediglich vorgeschoben. Alkoholverkauf an Jugendliche ist grundsätzlich verboten. Das wird auch von der gesamten Branche getragen und gestützt. Mit einem zusätzlichen generellen Verkaufsverbot am Abend maßregelt man also ausschließlich Erwachsene. Denen traut man offenbar die eigene Entscheidung über Art und Umfang ihres Alkoholkonsums auch schon nicht mehr zu. Das reiht sich nahtlos ein in die Pflicht zur Aufbringung von Schockbildern auf Zigarettenschachteln und Verpackungsgestaltungszwängen beim Verkauf von Tabakwaren, aber das diskutieren wir ja öffentlich schon gar nicht mehr. Eher schon das Rauchverbot bei der Autofahrt mit Kindern oder die Bekämpfung des Einwegbechers.

Die Politik greift immer mehr in die persönliche Sphäre des Bürgers und noch stärker in die nur noch wenig freie Wirtschaft ein.

Schon der Aufbau der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe in den vergangenen Jahren war ein ungeheurer Eingriff in unseren Markt. Das propagierte Primärziel einer Preisschwankungsbremse wurde nicht erreicht. Allerdings wurde der Tankstellenmarkt kräftig durchgerüttelt und die Anbieter mussten ganz erheblichen Aufwand treiben, um die technischen Voraussetzungen für das nunmehr übliche vollelektronische Pricing zu schaffen. Auch hier stand der Mittelstand vor großen Herausforderungen, bei deren Bewältigung der bft mit dem Angebot des sogenannten Preisradars behilflich sein konnte. Das von der Politik unzweifelhaft verfolgte Sekundärziel war die Senkung der Kraftstoffpreise. Die hat es fraglos in den vergangenen Monaten gegeben. Ob das allerdings durch die Markttransparenzstelle ausgelöst wurde oder vielmehr durch die geopolitischen Vorgänge, die einen deutlichen Rohölpreisverfall bewirkten, erscheint mir doch sehr fraglich. 

Alle diese massiven ordnungspolitischen Eingriffe erfolgen vordergründig in guter Absicht. Ich habe da so meine Zweifel! Wenn ich zum Beispiel lese, dass man laut darüber nachdenkt, zu unser aller Wohl den Annahmezwang für Bargeld zu lockern und somit die bargeldlose Zahlung quasi per Gesetz als primären Zahlungsweg zu etablieren, werde ich nachdenklich. Es regt sich bei mir der Gedanke, dass hier die Neugier des Staates  im Vordergrund steht. Im Vordergrund heißt hier: klar auch vor den Interessen des Bürgers.

Vielleicht ist es an der Zeit, dass sich Staat und Gesellschaft besinnen, welche Werte für uns wirklich von Bedeutung sind. Deren Schutz bedarf dann selbstverständlich staatlicher Regelung und Kontrolle. Andere Dinge sollten aber eben klar in der persönlichen Entscheidungssphäre des Einzelnen verbleiben. Das setzt auch personelle und finanzielle Kapazitäten frei für Aufgaben, die wir in unserem Land und in Europa als Gemeinschaft zu bewältigen haben. Und dass es solche Probleme zu bewältigen gibt können wir alle aus den aktuellen Meldungen der Medien erkennen. Seit Jahrzehnten prophezeien uns Ökonomen und Sozialwissenschaftler auf der ganzen Welt eine Völkerwanderung von der überwiegend armen Südhalbkugel in Richtung des wohlhabenderen Nordens. Aber da wir uns mit großer Detailverliebtheit der Biokomponenten-Beimischung, neuen Regelungen zum Motivschutz bei Selfies und der Einführung eines Veggie-Days beschäftigen, geht es uns in dieser Sache so, wie es mir jedes Jahr mit Weihnachten geht: Es naht unaufhaltsam, aber wenn es vor der Tür steht, bin ich jedes Mal wieder völlig überrascht. Und natürlich bin ich unvorbereitet.

Dieser Eindruck drängt sich mir auf, wenn ich mir den Umgang Europas mit dem gewaltigen Flüchtlingsstrom betrachte. Das wirtschaftliche Gefälle zwischen Nord- und Südhalbkugel bewirkt eine Völkerwanderung von Süd nach Nord. Kriegshandlungen in vielen der ärmeren Länder beschleunigen diese Entwicklung. In den wohlhabenderen Ländern, die das Ziel vieler Flüchtlinge sind, entstehen Ängste. Angst vor Überfremdung, aber auch Angst davor, wirtschaftlich in Konkurrenz zu treten mit den Menschen, die zu uns kommen. Und auch Angst davor, vom enormen Zustrom fremder Menschen und Kulturen überfordert zu werden.

Das muss man verstehen und das darf, ja muss man sogar diskutieren. Dabei ist es aber unser aller Aufgabe, die Dinge in das richtige Licht zu rücken. Es steht Deutschland und stünde auch allen anderen europäischen Ländern deutlich besser zu Gesicht, die humanitäre Dimension des Problems aufzugreifen und anzugehen. Zäune zu errichten und Grenzkontrollen wieder einzuführen kann vielleicht kurzfristig dabei helfen, die organisatorischen Probleme zu bewältigen. Gelöst sind sie damit aber nicht, man verlagert sie nur an eine andere Grenze. Und meinem Verständnis einer europäischen Wertegemeinschaft entsprechen Zäune und Grenzkontrollen ganz sicher nicht. Mit dem unwürdigem hin- und her Geschiebe von Verantwortung hat Europa dem Rest der Welt ein armseliges Bild geboten. Wer vor einer Gruppierung wie dem IS fliehen muss, dem sollten unsere Türen offen stehen. Natürlich müssen wir zwischen sicheren und unsicheren Herkunftsländern unterscheiden, die Registrierungsverfahren beschleunigen und optimieren. Aber vor allem müssen wir der Fratze des Fremdenhasses, die sich vereinzelt wieder zeigt, klar entgegentreten. Als 1989 die innerdeutsche Grenze gefallen ist, haben wir die dadurch entstandenen riesigen Herausforderungen freudig angenommen. 

Obwohl der Zustrom aus der früheren DDR im sogenannten Westen ganz ähnliche Probleme und Ängste mit sich brachte. Ganz ähnlich denen, mit denen wir uns jetzt konfrontiert sehen. 

Wenn ich dann von ewig Gestrigen stolz in die Fernsehkameras geschwenkte Protest-Banner sehe, auf denen mit Hinblick auf den Ausländeranteil in der Bevölkerung geschrieben steht: „WIR WOLLEN KEINE WESTDEUTSCHEN VERHÄLTNISSE!“, fehlen mir fast die Worte. Wohlgemerkt nur fast. Die Worte, die ich für diese Geisteshaltung finde, sind IGNORANZ und DUMMHEIT.

Und meine Damen und Herren, es ist eben nicht nur die Aufgabe des Staates, hier gegenzuhalten. Wenn ich dafür plädiere, dem Bürger das größtmögliche Maß an Selbstbestimmung zuzugestehen, bedeutet das im Gegenzug auch eine nicht wegzudiskutierende Verantwortung jedes Einzelnen. Mein Eindruck ist, dass die Mehrheit der Menschen in unserem Land, aber auch in Europa, bereit ist, zu helfen. 

Und insbesondere hier in Deutschland werden wir uns vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung mit dem Zuzug aus anderen Ländern anfreunden und die viel zitierte Willkommenskultur entwickeln müssen. Ganz sicher keine einfache Aufgabenstellung!

Aber wir selber haben seit Langem nicht mehr genug Nachwuchs, um unseren Bedarf an Arbeitskräften in den kommenden Jahren zu decken und so unsere Sozialsysteme funktionsfähig zu erhalten. Und ich denke, nicht nur mir, sondern auch vielen von Ihnen fällt es zunehmend schwerer, geeignete Mitarbeiter gerade auch für unsere Tankstellenbetriebe zu finden. 

Es steht uns deshalb als moderner Gesellschaft gut zu Gesicht, uns hier zu öffnen und bei aller Anerkennung der entstehenden Probleme die Chancen, die sich ergeben, nicht zu verkennen. Die Aufgabe der Politik ist es dabei, das Einwanderungsrecht entsprechen zu modernisieren und ggf. bestehende Missbrauchsmöglichkeiten, wo es sie denn gibt, zu beseitigen. Denn die beste Form der Integration ist die schnelle Eingliederung in den Arbeitsmarkt. Hier gilt es, bestehende Regelungen anzupassen und vereinzelt auch mal Beschränkungen aufzuheben.

Auch wir als Unternehmer können und müssen unseren Beitrag zur Eingliederung der vielen Hilfesuchenden leisten. Wir haben deshalb gestern im Vorstand beschlossen zu versuchen, in Kooperation mit Schulungsanbietern kostenlose Deutschkurse für Asylsuchende anzubieten. Kurse, die unabhängig vom Stand des Asylverfahrens des Einzelnen besucht werden können.

Und sicher können viele von den hier Anwesenden Praktikumsplätze bereitstellen und später bei positivem Verlauf des Asylverfahrens einem Praktikanten einen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen. Mein Vorstandskollege Holger Förster steht als Ansprechpartner für jeden bereit, der sich an dieser Hilfsmaßnahme beteiligen möchten.

Aber kehren wir zurück zu den Entwicklungen in unserer Branche:

Neben den eingangs genannten Themen beschäftigt uns die allgegenwärtige Energiewende.

Das in den letzten Jahrzehnten gesellschaftlich tief verankerte Umweltbewusstsein und das Wissen um die Endlichkeit aller Ressourcen auf dieser Welt hat eine nicht mehr wegzudenkende Diskussion um den Einsatz der fossilen Kraftstoffe ausgelöst. Waren es zuerst nur die Begrenzung der Emissionen, folgte dann die Diskussion um die Effizienz und schließlich, das ist der Stand heute, setzte die Diskussion um den Ersatz fossiler Energieträger durch alternative Kraftstoffe und Antriebsarten ein.

Unsere Branche hat es auf dem Verkehrssektor von Anfang an zu spüren bekommen. Wer erinnert sich nicht an die Bilder mit Politikern, die ihren Wählern stolz Bio-Diesel-Zapfpistolen vorführten. Mit der Prognose einer goldenen Zukunft investierte die Branche -und hier allen voran der Tankstellenmittelstand - in Bio-Diesel-Tankstellen. Autogas erlebte ebenfalls eine Blütezeit. Pflanzenöl, Bio-Ethanol und Erdgas wurden zeitweise als die große Zukunft dargestellt. Nicht zu vergessen E 10, E 85, Wasserstoff und die Brennstoffzelle.

Und was hat sich davon durchgesetzt? Wenn wir genau hinschauen, in bescheidenem Maße das Autogas. Alle anderen Technologien sind als Löwen gestartet und endeten bisher als Bettvorleger. Warum war das so?

Die ehrliche Antwort kann nur lauten: die Produkte waren so lange erfolgreich, wie der Verbraucher mit ihnen finanzielle Vorteile gegenüber den konventionellen Kraftstoffen erreichen konnte. Mit dem Moment des Wegfalls der Steuervorteile für einzelne der eben genannten Kraftstoffarten haben sich die Verbraucher sofort verweigert. 

Hinzu kam sicher auch eine zunehmend aufkeimende Diskussion um die wirklichen Umweltvorteile der alternativen Kraftstoffe, wobei Autogas und Erdgas kaum als Biokraftstoffe zu bezeichnen sind.

Der Mittelstand, der sich an vielen dieser Projekte durch Investitionen an seinen Tankstellen beteiligte, hat daraus die logische Schlussfolgerung gezogen, bei künftigen Säuen, die durchs Dorf getrieben werden, erst einmal durch den Türspion zu blicken, bevor man der Horde auf der Straße hinterherläuft. Mit anderen Worten: Unsere Mitgliedsfirmen werden künftig sehr vorsichtig sein, wenn es darum geht, neue Technologien an ihren Tankstellen einzuführen. 

Das mag man bedauern, aber es ist die logische Folgerung einer allzu wechselhaften Politik auf dem Gebiet der Energiewende im Verkehrssektor.

Wer glaubt, die Energiewende sei mit Einzelmaßnahmen, die oft noch nicht einmal auf ihre Nachhaltigkeit hin abgeprüft sind, zu bewältigen, sollte besser nochmal gut nachdenken. Was wir brauchen, sind Maßnahmen, die das magische Dreieck der Energiewende berücksichtigen und die darin formulierten Ziele in ein stabiles Gleichgewicht bringen:

Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit, Bezahlbarkeit..

Vernachlässigt man auch nur eines dieser Ziele, wird sich der Erfolg nicht einstellen.

So geschehen beim E10, bei dem die Umweltverträglichkeit nicht vermittelt werden konnte, obwohl das Produkt bezahlbar und in ausreichender Menge verfügbar ist.

Ähnliches droht durchaus auch der Elektromobilität, denn mit der derzeitig praktizierten Form der Stromerzeugung erzeugt selbst ein Elektro-SMART einen gewaltigen CO2-Ausstoß.

Mir persönlich erscheint der Einsatz von Wasserstoff als Kraftstoff noch als die derzeit sinnvollste Zukunftsvision, entspricht diese Technik noch am ehesten den Verbrauchsgewohnheiten der Autofahrer und bietet dabei gleichzeitig eine Lösung des Speicherproblems, das die Produktion von Wind- und Sonnenstrom mit sich bringen.

Mazda stellt stolz auf der aktuellen IAA das erste wasserstoffbetriebene Serienfahrzeug vor. Das ist vielleicht ein Anfang, aber eine Energiewende ist das sicher noch nicht. Trotzdem sollten wir alle uns mit diesem Thema beschäftigen, da sich mit dieser Technologie auch für uns als Vertreter der Tankstellenseite neue Möglichkeiten auftun.

Bei anderen Formen der vielzitierten Elektromobilität gibt es für uns - zumindest in den Köpfen der Protagonisten - keinen Platz mehr in der Wertschöpfungskette.

Prof. Fritz Vahrenholt ist ein deutlicher Kritiker der deutschen Energiepolitik. Er erklärte den verblüfften Anwesenden anlässlich einer Vortragsveranstaltung unseres Dachverbandes MEW letzte Woche, dass die Mineralölbranche doch eigentlich ganz zufrieden sein könne.

Sie stehe im Moment nicht sehr im Fokus der Politik, sondern vielmehr die Stromerzeuger.

Von den Stromkonzernen habe man vor Jahren verlangt, die Kernenergie voranzutreiben und enteigne sie seit zwei Jahren quasi schrittweise.

Die gesetzlichen Regelungen zum Vorrang der erneuerbaren Energien zwingen die Konzerne gleichzeitig dazu, unrentabel gewordene konventionelle Kraftwerke als Regelreserve weiter zu betreiben. Prof. Vahrenholt erkannte im deutschen Alleingang ein ganz erhebliches volkswirtschaftliches Problem und sagte eine Vernichtung von Arbeitsplätzen voraus. Die deutsche Energiewirtschaft werde quasi abgeschafft.

Auch wenn wir derzeit vielleicht nicht so stark im Fokus stehen wie die Stromindustrie, kann man Parallelen zur Mineralölbranche deutlich erkennen.

Allerdings arbeitet  man in der Mineralölbrache hierzulande tatkräftig mit, wenn es darum geht, sich selbst abzuschaffen. So kommen doch die Entwicklungen, die mit den Übernahmen von DEA durch Shell und von ARAL durch BP eingeleitet wurden, im Ergebnis der Abschaffung einer deutschen Mineralölwirtschaft schon sehr nahe.

Die ganz aktuellen Transaktionen in diesem Bereich verstärken meinen diesbezüglichen Eindruck nur noch mehr.

Mittelständler, wie sie sich unter dem Dach des bft zusammenfinden, sind sozusagen die letzten Vertreter der Gattung "Deutsches Mineralölunternehmen".

Wir fordern von der Politik keine schützende Käseglocke, wohl aber, dass man uns hört und wahrnimmt. Denn nicht zuletzt ist es in besonderem Maße dieser Mineralölmittelstand, der als Garant für den Wettbewerb innerhalb unserer Branche steht. Nicht zuletzt bildet er das Rückgrat unseres Arbeitsmarkts.

Der Mittelstand ist bunt, vielschichtig und innovativ. Und damit natürlich auch etwas unbequem und manchmal sicher auch schwierig.

Aber ich persönlich habe den Umgang im bft immer als kollegial, ja manchmal sogar als familiär empfunden. Und das ist gut so.

Dem gegenüber tritt auf Seiten der Großunternehmen - einhergehend mit der ausgeprägten Globalisierung - der persönliche Kontakt zwischen den Geschäftspartnern zunehmend in den Hintergrund.

Und die aktuellen personellen Veränderungen in der Branche und ganz besonders die Art und Weise, wie diese Veränderungen ablaufen, stimmen mich doch nachdenklich, wenngleich ich für die eine oder andere Entscheidung durchaus Verständnis habe.

Ein wesentliches Credo des bft ist die Würdigung der Tatsache, dass - bei allem Streben nach Rendite - es doch immer Menschen sind, mit denen wir handeln. 

Und auch wenn man naturgemäß nicht immer derselben Meinung sein kann, so gilt mein persönlicher Respekt ganz besonders den Gesprächspartnern in der Industrie, die mit den zunehmend sterilen und anonymen Konzernstrukturen umgehen müssen und dabei versuchen, sich selbst nicht völlig aufzugeben.

Selbst dann nicht, wenn das in letzter Konsequenz eine berufliche Veränderung bedeutet. Vor solchen Entscheidungen ziehe ich meinen Hut! 

Etwas beruhigend ist dabei vielleicht die Erfahrung, dass man sich in unserer Branche meistens sehr schnell wieder sieht. 

Meine Damen und Herren, ich möchte nicht missverstanden werden: 

Die strukturellen Veränderungen, die sich im international geprägten Ölgeschäft vollziehen, können und wollen wir nicht aufhalten.

Aber es entsteht der Eindruck, dass sich die großen Mineralölkonzerne mehr und mehr aus dem kleinteiligen Vertriebsgeschäft zurückziehen und ihre Aktivitäten auf die Rohölförderung konzentrieren. 

Das birgt nicht nur Risiken für uns, sondern bietet dem Mittelstand auch neue Chancen.

Wenn ich mich in dieser Runde umsehe, habe ich keine Zweifel daran, dass Sie diese Chancen auch in Zukunft erfolgreich nutzen werden!

 

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit (...).

 

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